Selbstverständnis und Aufgabenstellung

Die AG arbeitet in ihren Stadtteilen für die Verbesserung des Zusammenlebens unterschiedlicher Kulturen, indem sie Bürgerinnen und Bürger aus Institutionen, Initiativen, Gruppen und Vereinen dabei unterstützt, ihre interkulturellen Fähigkeiten zu entwickeln.

 

Im Rahmen dieser Zielsetzung stehen ihre Mitglieder insbesondere in folgenden Arbeitsfeldern zur Verfügung

 

  • Sensibilisierung für die Frage, was in der Begegnung verschiedener Kulturen passiert und ein als angenehm erfahrenes Zusammenleben in gegenseitigem Respekt schwierig macht
  • Vermittlung und Einüben von notwendigen Fähigkeiten, um in interkulturellen Begegnungen situationsgerechter und nachhaltig erfolgreicher handeln zu können
  • Vermittlung und Einüben von notwendigen Fähigkeiten, um interkulturelle Kompetenzen anderen vermitteln zu können und damit im Sozialraum zu multiplizieren
  • Wahrnehmung und Benennung von Problemen und Bedarfen, die wesentlich interkulturell bedingte Ursachen haben

 

Die Arbeit der AG ist in all ihren Aktivitäten dem Ziel der Nachhaltigkeit verpflichtet.

 

Zielgruppe des Vereins sind

 

  • alle Bürgerinnen und Bürger jeden Alters, die sich in der interkulturellen Arbeit ehren- oder hauptamtlich engagieren oder beabsichtigen, dies zu tun
  • Personen und Gruppen, die von interkulturell bedingten Problemlagen betroffen sind und eine Verbesserung dieser Situation erreichen wollen.

 

Die Mitglieder des Vereins teilen Grundüberzeugungen im Bezug auf das Bild des Menschen und die kulturelle Vielfalt, das Verständnis von interkultureller Begegnung und die Aufgaben und Grundlagen interkulturellen Dialogs. Diese Grundüberzeugungen stellen die Basis ihrer Arbeit untereinander wie auch der Arbeit mit den Personen und Gruppen in ihren Stadtteilen dar.

 

Menschenbild und kulturelle Vielfalt

 

  • Jeder Mensch lebt in einem Spannungsfeld von unverwechselbarer Individualität, der Prägung durch seine Kultur, in der er aufgewachsen ist, und der Prägung durch seine menschliche Natur.
  • Jeder Mensch ist einzigartig, kein Mensch ist gleich einem anderen. In unterschiedlichem Ausmaß ist jeder Mensch dem anderen fremd und wird ihm letztlich immer fremd bleiben.
  • Kulturelle Vielfalt ist ein Reichtum an Arten und Weisen, die Welt und das Leben zu sehen und zu gestalten. Sie ist deshalb nicht einzuebnen, sondern zu respektieren und zu bewahren, soweit sie Grundlagen menschlichen Zusammenlebens nicht in Frage stellt.

 

Interkulturelle Begegnung

 

  • Interkulturelle Begegnung ist immer ein Erleben von Fremdheit. Diese möglichst weit aufzulösen ist eine lebenslange Aufgabe in jeder Begegnung zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturen, die miteinander leben und arbeiten wollen. Diese Aufgabe ist um so anspruchsvoller, je größer die kulturellen Unterschiede sind.
  • Gerade wo Kulturen neu zusammen kommen und auf Dauer zusammen leben müssen, wird die interkulturelle Begegnung verunsichernd erlebt. Sie ist in unterschiedlichem Ausmaß emotional belastend und wird als Bedrohung der jeweils eigenen Kultur und dessen gefühlt, was jede Seite für richtig und normal hält.
  • In allen interkulturellen Begegnungen ist für jede beteiligte Person die eigene Kultur das größte Hindernis für eine Begegnung und Zusammenarbeit in gegenseitigem Respekt, wie die in ihr erlernten "Richtigkeiten" und "Normalitäten" ein vorurteilsloses Wahrnehmen, Empfinden, Werten der wahrgenommenen Fremdheiten erschweren.

 

Interkultureller Dialog

 

  • Interkultureller Dialog bedarf als Grundeinstellung der gegenseitigen Annahme aller Beteiligten in ihrer Einzigartigkeit und der Toleranz untereinander. Echter Dialog ist nur auf Augenhöhe möglich. Augenhöhe ist ein Standpunkt, um den sich beide Seiten in einer Begegnung stets neu bemühen müssen und der nicht einfach einzunehmen ist.
  • Die eigene Kultur ist für jede Person in einer interkulturellen Begegnung das einzige, worauf sie Einfluss haben und die sie gegebenenfalls durch neue Sicht-, Denk- und Verhaltensweisen erweitern kann. Die eigene Person und ihre kulturell geprägten Wahrnehmungen, Empfindungen und Bewertungen sind deshalb für uns unverzichtbar Ausgangspunkt und Thema jeglicher nachhaltiger interkultureller Arbeit.
  • Wissen über die jeweils anderen zu erwerben ist wichtig für ein besseres gegenseitiges Verstehen, aber allein vermag es interkulturelle Handlungsfähigkeit nicht zu bewirken.
  • Interkulturell angemessen handeln zu können bedarf sozialer Fähigkeiten, die wie alle sozialen Kompetenzen über Jahre hinweg schrittweise erlernt werden können. Wo diese Fähigkeiten angeeignete Techniken ohne Verankerung in der Persönlichkeit bleiben, ist interkulturelle Kommunikation nicht authentisch, unehrlich und nachhaltig nicht erfolgreich.
  • Interkulturelle Kompetenzen sind für uns: sich zu sich selbst in Distanz setzen zu können, das eigene Wahrnehmen, Denken, Fühlen, Bewerten und Handeln von Außen - manchmal auch mit einer Prise Humor -ansehen und kontrollieren zu können, sich in den anderen einfühlen zu können, emotionale Belastungen aushalten und kritische Punkte respektvoll ansprechen und konstruktiv bearbeiten zu können.
  • Fremdartigkeiten, mit denen Beteiligte in der interkulturellen Begegnung massive Schwierigkeiten haben, sollen im interkulturellen Dialog geäußert und nicht um eines falsch verstandenen lieben Friedens willen verschwiegen werden. Sie können nur dann erträglich werden, wenn man sich die Gründe für Einstellungen und Verhaltensweisen einander erklärt und eine Auflösung zurückstellen kann, bis vielleicht später die Zeit dafür gekommen ist. Meint eine Seite aus Höflichkeit schweigen zu müssen, wird sie sich im Innersten letztlich nicht angenommen und respektiert fühlen, was eine nachhaltig weiterführende interkulturelle Arbeit unnötig erschwert oder sogar unmöglich macht.

 

Die genannten Überzeugungen und Haltungen sind Grundlage jeglicher Aktivitäten, die die AG gemeinsam mit ihren Zielgruppen unternimmt. Wo diese Überzeugungen und Haltungen nicht geteilt werden, sind sie im Vorfeld der Aktivität gemeinsam zu erarbeiten.